Der "KLEINE STERN"
 

MÜTTER FÜR DEN FRIEDEN
D E U T S C H L A N D


"Kleiner Stern" jetzt in vier Flüchtlingslagern in Inguschetien / Fortsetzung der therapeutischen Arbeit mit Flüchtlingskindern aus Tschetschenien
(Stand: 13. Januar '00)

GROSNY / DÜSSELDORF, 13. Januar '00. Im April 1996 - noch während des ersten Tschetschenienkrieges  fand eine internationale Konferenz von Nicht-Regierungsorganisationen (NG0s) in Inguschetien und Grosny, der Hauptstadt Tschetscheniens, statt. An ihr nahmen zwanzig NGO-VertreterInnen aus acht Staaten teil, darunter als einzige Deutsche Barbara Gladysch, Vorsitzende der Mütter für Friedens - DEUTSCHLAND, die auf Einladung des Komitees der russischen Soldatenmütter in den Nordkaukasus reiste. Organisiert wurde die Konferenz von Chris Hunter, einem britischen Quäker mit Wohnsitz in Moskau und Vorsitzender des Zentrums für Friedensschaffung
und Gemeindeentwicklung" ("Centre for Peacemaking and Community Development, CPCD"), einer NGO mit Sitz in Moskau. Für sein Hilfsengagement im Nordkaukasus wurde Hunter 1999 der "Shalom"-Friedenspreis der Katholischen Universität Eichstätt verliehen. Ein CPCD-Büro befand sich in Grosny, musste aber nach dem erneuten russischen Feldzug  ab September 1999 geschlossen und nach Nasran (Inguschetien) evakuiert werden.

Im Januar 1997 war Barbara Gladysch eine der ausländischen OSZE-Wahlbeobachter in Tschetschnien
und gründete zusammen mit Chris Hunter und anderen FreundInnen in Grosny das Rehabilitationszentrum für kriegstraumatisierte Kinder, "Kleiner Stern". Es handelt sich dabei um das ehemalige Sanatorium der Stadt bestehend aus sieben kleinen Häuslein auf einem Hügel über der Stadt inmitten von Wald und Wiesen gelegen. Der gewählte, amtierende Präsident Tschetscheniens, Aslan Maschadow, übergab die teilweise zerstörten Häuser dem neuen Träger CPCD zur freien Benutzung. Mit Hilfe von Geld- und Sachspenden vor allem aus Düsseldorf konnten die Gebäude instandgesetzt und möbliert werden.

Schon im Mai 1997 konnte die Therapie im "Kleinen Stern" aufgenommen werden.
 

Bis zum Beginn des zweiten Tschetschenienkrieges im September 1999 konnte über 500 kriegstraumatisierten Kindern im "Kleinen Stern" therapeutisch geholfen werden. 500 Kinder, die noch vom letzten Krieg "gezeichnet' waren, die nicht in erster Linie körperlichen, sondern seelischen Schaden erlitten hatten; Kinder, die gesehen, gehört, gefühlt haben, was Todesangst bedeutet, wie ihre nächsten Familienmitglieder, FreundInnen und Fremde vor ihren Augen gequält, verschleppt, ermordet wurden; Kinder, die die brutalen Erlebnisse und Eindrücke nicht vergessen, nicht verarbeiten konnten, brauchten dringend therapeutische Hilfe.
Zwischen 1996 und 1999 war Barbara Gladysch viermal in Tschetschenien. Immer wieder konnte sie sich von der Notwendigkeit und dem Erfolg der Arbeit im "Kleinen Stern" überzeugen und die Abrechnung von Spendengeldern mit voller Zufriedenheit kontrollieren.
Der "Kleine Stern" strahlte bis August 1999. Ende Oktober 1999 wurden die Gebäude des "Kleinen Sterns" von russischer Artillerie zerbombt, zerstört - aber nicht die Idee, die Aufgabe des "Kleinen Sterns".
Der "Kleine Stern" leuchtet weiter für tschetschenische Kinder, die zum zweiten Mal in ihrem kurzen Leben hautnah die Grausamkeiten eines Krieges erleben müssen und nach Inguschetien, Tschetscheniens Nachbarrepublik im Westen, fliehen konnten. Auch sieben Therapeutinnen des "Kleinen Sterns" gelang die Flucht dorthin: Zareina Chiraeva, Zarema Musaeva, Yakha Gabaeva, Elmira Simonien, Natasha Zaitseva, Tamara Khadueva und Olga Pavlova. Die Mitarbeiterlnnen vom CPCD - Adlan, Shaman, Mumt, Bac, Zabu u.a. -verließen Grosny ebenfalls und konnten im Raum 203 des Hotels "Assa" in Nasran (Inguschetien) ein provisorisches CPCD-Büro einrichten. Das CPCD-Team kauft in den umliegenden nordkaukasischen Republiken von den Spendengeldem das Notwendigste für die Flüchtlinge ein und verteilt die Hilfsgüter.
Die Therapeutinnen begannen schon Ende September 1999 mit ihrer Arbeit (Fortsetzung des"Kleinen Sterns") in vier inguschetischen Flüchtlingslagern: In Slepzowskaja (in der Nähe von Nazran); dort leben ca. 7 000 Menschen in Eisenbahnwaggons. Die drei anderen Flüchtlingslager sind in Karabulak; davon besteht eines auch aus Bahnwaggons mit ca. 8 000 Personen; die beiden anderen Lager sind Zeltdörfer mit jeweils 1000 bis 2 000 Menschen. Das CPCD kaufte Anfang Oktober 1999 große Zelte, die in den vier Flüchtlingslagem aufgebaut wurden. Diese Zelte sind Mittelpunkt der Lager geworden: sie gehören den Kindern.

Hier können sich die Kinder den ganzen Tag aufhalten. Die Zelte werden zwar nicht beheizt, sind aber trotzdem wärmer als z.B. die Eisenbahnabteile. In den großen Zelten wird gesungen, gespielt, getanzt. In den kleineren Kinderzelten wird gemalt, gebastelt und auch unterrichtet. Die sieben Therapeutinnen vom "Kleinen Stern" haben bald Verstärkung bei ihrer Arbeit bekommen: Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen haben sich ihnen angeschlossen, sodass zur Zeit zwanzig Pädagoginnen den Kindern zur Verfügung stehen.

Der Umgang mit diesen Kindern ist insofern auch eine therapeutische Arbeit, als dass die Kinder aus der Enge und Problematik ihrer Familien herausgehen können, Freiraum für sich in Anspruch nehmen können. Sie machen etwas: Spielen, lachen, zugucken, ausprobieren, tanzen, Musik machen, singen, schreiben, lesen, rechnen, malen, basteln mit vertrauten Menschen in Ruhe sprechen, weinen, sich tösten lassen... Das ist die Fortsetzung der Arbeit des "Kleinen Sterns" -jetzt in den Flüchtlingslagern von Inguschetien.

Der "Kleine Stern" ist ein Hoffnungslicht für die tschetschenischen Kinder und deren Eltern. Er darf durch den erneuten Krieg nicht verlöschen! Wir brauchen deshalb dringend finanzielle Unterstützung um die notwendige Hilfe in Inguschetien weiterzuführen! Helfen Sie mit, damit Tschetscheniens Kinder eine Zukunft haben können!

"Mein Stern wird für dich einer der Sterne sein. Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können.
"Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast."

aus: Der kleine Prinz von  Antoine de Saint-Exupery

DANKE.

Der "Kleine Stern" ist weit mehr als nur ein Symbol. Er ist Wirklichkeit und Notwendigkeit, weil die beiden Kriege in Tschetschenien nicht nur die Häuser zerstört, das Land verwüstet, den Boden vergiftet, Menschen verletzt und getötet haben, sondern weil kleine Seelen dabei schmerzlich verwundet wurden und die Kinder Sicherheit, Geborgenheit, Wärme und Hoffnung entbehren müssen.

"Mensch sein, das heißt: Verantwortung fühlen, sich schämen angesichts der Not, auch wenn man offenbar keine Mitschuld an ihr hat, fühlen, dass man mit seinem eigenen Stein mitwirkt an dem Bau der Welt.
Was ich am tiefsten verabscheue, das ist die traurige Rolle des Zuschauers, der unbeteiligt tut oder ist. Man soll nie zuschauen. Man soll Zeuge sein, mittun und Verantwortung tragen. Der Mensch ohne Verantwortung zählt nicht.

Antoine de Saint-Exupery
 

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