31.1.2005

„In Afrika findet jeden Monat eine Tsunami-Katastrophe statt!“ 

Prof. Dr. Gödhe, Nottuln,  informierte über Aids in Afrika

  

Nottuln. „Um Diamanten aus Afrika zu holen, braucht man nicht viele Menschen!“ Mit deutlichen, starken Worten beschrieb am Montagabend auf einer Informationsveranstaltung der Friedensinitiative Nottuln (FI) mit dem Titel „Die Bedrohung Nummer eins: Aids“ Prof. Dr. Wolfgang Göhde in der Alten Amtmannei die erbärmliche Situation der unter Aids leidenden Menschen auf dem schwarzen Kontinent. Diese Situation wirklich zu verändern, gäbe es auf Seiten der Industrieländer kein großes Interesse. Ganz im Gegenteil: Aids löse aus Sicht er Amerikaner und Europäer auch viele „Probleme“. Prof. Dr. Göhde, Nottulner Bürger und geschäftsführender Direktor des Instituts für Strahlenbiologie der Westfälischen Wilhelms-Universität: „Jeden Tag sterben in Afrika 8000 Menschen an Aids. In einem Monat sind dies 240.000 Menschen. Jeden Monat findet in Afrika ein Tsunami statt – und die Welt schaut zu.“ Die Zahlen, die der Strahlenbiologe in der Alten Amtmannei an die Wand warf – sie alle stammen von der Weltgesundheitsorganisation WHO – untermauerten seine Anklage: 2004 gab es 40 Millionen Aidskranke Menschen auf der Welt, 30 Millionen davon in Afrika. 10 Prozent von ihnen – also 3 Millionen - sterben jedes Jahr in Afrika an dieser Immunschwächekrankheit. Die Steigerungsraten seien immens. In dem afrikanischen Land Botswana zum Beispiel seien 40 Prozent der Einwohner aidskrank. Die Lebenserwartung der Menschen sei dort von über 60 Jahre noch vor einem Jahrzehnt auf 30 Jahre steil abgesunken. Und gerade der produktive Teil der Bevölkerung sterbe einfach weg. Auch ein ungeheuerer ökonomischer Verlust. In Afrika – so Prof. Dr. Gödhe – sei zwar viel Wissen über die Krankheit Aids vorhanden. Aber traditionelle Verhaltensweisen und noch mehr die unsagbare Armut würden der Krankheit Vorschub leisten. So schicken Mütter ihre Töchter auf den Straßenstrich und etwas zu essen zu bekommen. Und ab einer gewissen Infektionsrate könne man sich kaum noch schützen. Gödhe: „Niemand darf dann an einer Blinddarmentzündung erkranken. Überall ist die Gefahr der Infizierung groß.“ Ein besonders großes Problem sei das der Aidswaisen. In Nairobi laufen allein eine Millionen Kinder durch die Straßen. Ihre Eltern starben an Aids. Viele von ihnen sind ebenfalls aidskrank. Dies sei eine Zeitbombe – auch für uns hier im sicheren Norden. Prof. Dr. Gödhe verbat sich in Vorbemerkungen zu seinem Vortrag den Titel „Aids-Experte“. Aids-Experten gebe es nicht. Alle Kräfte hätten angesichts der Situation in Afrika völlig versagt. Sein Spezialgebiet sei die Entwicklung von guten Testgeräten für HIV-Infizierte. Bereits Ende der 60er Jahre wurden von ihm Messmethoden und Geräte entwickelt und immer weiter verbessert. So haben sich im Lauf der Jahre die Firma Partec mit Sitz in Roxel und in jüngster Zeit die Firma CyTecs in Görlitz entwickelt. Sie bauen zurzeit kompakte “Fowcytometer”. Diese werden in kleine Geländewagen installiert, die mit einem kompletten Labor für immunologische Blutuntersuchungen ausgestattet sind. So wird es möglich, in Afrika Patienten fernab von den wenigen medizinischen Zentren zu erreichen. Die Tests ergeben Aufschluss über den Zustand der HIV-Infizierung. So könnte man schnell erkennen, wer wie behandelt werden müsse. Der Preis für einen Test läge derzeit schon bei zwei Euro. Wer soll das bezahlen? „Geld spielt keine Rolle,“ ist sich Prof. Gödhe sicher. „Das Geld für eine Woche Irakkrieg würde weltweit das gesamte Aidsproblem lösen.“

 

 

Foto: Ulla Hülsbusch moderierte die Afrika-Veranstaltung mit Prof. Dr. Göhde (r.), der von seinem Kollegen Prof. Dr. Köhnlein (l) vorgestellt wurde.