Infos über Angola    Afrika-Abend mit Hildegard Kusche-Uebber   8.3.2004

 

 

Nottuln. Wichtiger als militärische Hilfe ist eine humanitäre Offensive für Afrika. Von dieser Position konnten sich die Besucher eines Informations- und Gesprächsabend zum Thema „Ist Frieden in Afrika möglich?“ am Montagabend überzeugen. Die Friedensinitiative setzte mit dieser Veranstaltung ihre Afrika-Reihe fort. Wie alle bisherigen Afrika-Veranstaltungen so fand auch dieser Abend ein großes Interesse. Besinnlich begann der Abend. Der Chor der Musikschule Nottuln trug drei afrikanische Lieder vor und damit einen Hauch vom schwarzen Kontinent in die Alte Amtmannei. Daran anschließend informierte die Diplom-Pädagogin und Angola-Expertin Hildegard Kusche-Uebber in einem gut strukturierten und informativen Vortrag die zahlreichen Zuhörer über ihre „zweite Heimat“. Schon in der Anmoderation des Abend machte Ulla Hülsbusch von der Friedensinitiative Nottuln das Dilemma dieses afrikanischen Staates deutlich: 27 Jahre lang verwüstete ein Bürgerkrieg Angola. Seit April 2002 wurden zwar die Kampfhandlungen eingestellt. Aber die Folgen des Krieges sind verheerend. 13 Millionen Einwohner zählt Angola. Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt in absoluter Armut. 15 Millionen Minen verhindern, dass das Land schnell und zügig sich vom Krieg erholen kann. Was ist zu tun? Diese Frage sollte die Referentin beantworten. Eineinhalb Stunden lang umfasste ihre Antwort. Viele Jahre lebte Hildegard Kusche-Uebber in Angola. Seit 2001 arbeitet sie als Projektberaterin und Trainerin mit medico international in der psychosozialen Betreuung von Minenopfern. „Dieser Krieg war kein reiner Bürgerkrieg.“ warf die Diplom-Pädagogogin den Großmächten vor, in diesem afrikanischen Land einen Stellvertreterkrieg geführt zu haben. „Die Leidtragenden waren die Menschen!“ Es wäre um politischen Einfluss und um wirtschaftliche Interessen gegangen. Angola sei reich an Bodenschätze, reich an Erdöl und Diamanten. Erst eine Kehrtwende der Amerikaner unter Clinton habe ermöglicht, dass ein Friedensweg gegangen werde. Doch der – so Kusche-Uebber – sei mit Minen gepflastert. Durch die lange Kriegszeit sei Angola wirtschaftlich am Boden. Die Korruption beherrsche das Land. Die humanitäre und soziale Situation der Menschen sei katastrophal. Armut, Arbeitslosigkeit, eine defizitäre Wasser- und Energieversorgung, eine fehlende medizinische Infrastruktur, hohe Kindersterblichkeit und Analphabetentum – Angola sei durch den Krieg zum fünft ärmsten Land der Welt abgestürzt. Hinzu käme eine hochgradige Traumatisierung vor allem vieler Kinder, die als Kindersoldaten missbraucht worden sein. „Dennoch gibt es Ansätze zum Frieden. Angola macht sich auf den Weg.“ schaute die engagierte Referentin auch optimistisch in die Zukunft.  So sei die Regierung dabei, die ehemaligen Rebellen zu integrieren. Viele humanitäre Organisationen aus aller Welt seien nach Angola zurückgekehrt. Viele Initiativen im Land engagierten sich beim Aufbau einer Zivilgesellschaft. Aber – so Kusche-Uebber – ohne Hilfe von außen können das Land dies nicht schaffen. Investitionen seien notwendig, Hilfe beim Aufbau staatlicher Organisationen,  know-how-Transfer – und immer wieder – Minenräumung. „Lasst uns dafür kämpfen, dass Minen international geächtet werden. Die Produktion und die Anwendung sind ein menschliches Verbrechen.“ forderte die Referentin die Anwesenden zum Engagement auf.

 

 

Mit freundlichem Gruß

Robert Hülsbusch